PSMA-PET-CT
Das PSMA-PET/CT gilt heute als einer der modernsten Standards in der Diagnostik des Prostatakarzinoms.
Durch die Kombination von Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie (CT)
können selbst winzige Tumorableger präzise sichtbar gemacht werden.
Ein spezieller schwach radioaktiver Markierungsstoff bindet dabei gezielt an das Prostataspezifische Membranantigen (PSMA) auf der Oberfläche von Krebszellen.
Dies ermöglicht es Ärzten, Metastasen oder einen Rückfall (Rezidiv)
deutlich früher und genauer zu erkennen als mit herkömmlichen Verfahren.
Für Patienten bedeutet diese punktgenaue Bildgebung eine maßgeschneiderte Therapieplanung und vermeidet oft unnötige oder fehldosierte Behandlungen.
Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie jede diagnostische oder therapeutische Entscheidung mit Ihrem behandelnden Arzt. Verändern Sie niemals eigenmächtig Ihre Therapie!
⚠️ Wichtiger Hinweis: Ich bin Patient, kein Arzt.
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Stand der Informationen: September 2026
🟢 Aktuell geprüft September 2026
PSMA-PET/CT bei Prostatakrebs:
Wissenschaftliche Grundlagen und Leitlinienempfehlungen
Das Prostatakarzinom ist in Deutschland die häufigste bösartige Tumorer Erkrankung bei Männern. Für die Festlegung einer individuell passenden Behandlungsstrategie ist die exakte Erfassung der Tumorausbreitung (Stadieneinteilung oder Staging) von grundlegender Bedeutung. In den letzten Jahren hat sich die Positronenemissions-Tomographie in Kombination mit der Computertomographie unter Verwendung von Bindungsmolekülen gegen das prostataspezifische Membranantigen (PSMA-PET/CT) zu einem zentralen Baustein der nuklearmedizinischen Bildgebung entwickelt.
Dieses Verfahren ermöglicht die Erkennung von Tumorgewebe auf molekularer Ebene. Dennoch erfordert der klinische Einsatz eine nüchterne und evidenzbasierte Betrachtung, da eine höhere diagnostische Empfindlichkeit nicht automatisch mit einem verlängerten Gesamtüberleben der Patienten gleichzusetzen ist.
Biologische Grundlagen und Funktionsweise der PSMA-PET/CT
Das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) ist ein funktionelles Eiweißmolekül (Typ-II-Transmembranglykoprotein), das auf der Oberfläche normaler Prostatazellen nur in sehr geringer Dichte vorkommt. Auf der Oberfläche von Prostat Krebszellen ist die Dichte dieses Proteins jedoch um das 100- bis 1000-Fache erhöht. Mit steigendem Tumorgrad, höheren PSA-Werten sowie beim Übergang in hormonunabhängige Krankheitsstadien nimmt die Expression von PSMA auf den Krebszellen häufig weiter zu.
Bei einer PSMA-PET/CT-Untersuchung wird dem Patienten eine geringe Menge eines schwach radioaktiv markierten Botenstoffs (ein sogenannter Radiotracer) in eine Armvene injiziert. Dieser Tracer verteilt sich über die Blutbahn im Körper und bindet gezielt an das PSMA-Protein auf den Tumorzellen.
Das diagnostische Verfahren kombiniert zwei moderne Bildgebungsverfahren in einem einzigen Untersuchungsschritt:
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Positronenemissions-Tomographie (PET): Sie erfasst die vom Radiotracer ausgesendete Schwachstrahlung und zeigt Orte hoher molekularer PSMA-Dichte (beispielsweise im Primärtumor, in Lymphknoten oder in Knochenabsiedlungen) als Signalpunkte an.
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Computertomographie (CT): Sie liefert hochauflösende anatomische Schnittbilder des Körpers und ermöglicht die exakte Zuordnung der funktionellen PET-Signale zu den entsprechenden Gewebe- und Knochenstrukturen.

Der Ablauf der Untersuchung gliedert sich in eine Vorbereitungsphase von etwa 60 bis 90 Minuten nach der Injektion, in der sich der Tracer im Gewebe verteilt, sowie die anschließende Bildaufnahme im Tomographen, die etwa 20 bis 30 Minuten dauert. Die Strahlenbelastung setzt sich aus der kurzzeitigen inneren Strahlenexposition durch den zerfallenden Radiotracer und der äußeren Röntgenstrahlung des CT-Scans zusammen. Durch den Einsatz dosisreduzierter CT-Protokolle lässt sich die Strahlenexposition auf einem medizinisch vertretbaren Niveau halten.
Indikationen nach den S3-Leitlinien und klinischen Standards
Das Leitlinienprogramm Onkologie definiert in der S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Version 8.1) klare Kriterien für den Einsatz der PSMA-PET/CT-Diagnostik. Die Anwendung erfolgt primär in definierten klinischen Kontexten.
Primäre Ausbreitungsdiagnostik beim Erstbefund
Die PSMA-PET/CT soll bei Patienten mit neu diagnostiziertem Prostatakarzinom eingesetzt werden, wenn ein hohes Risikoprofil für eine Metastasierung vorliegt. Ein solches Hochrisikoprofil (High-Risk-Prostatakarzinom) ist durch mindestens eines der folgenden Kriterien definiert:
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Ein Gleason-Score von 8 bis 10 (ISUP-Gradgruppe 4 oder 5).
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Ein lokales Tumorstadium von cT3 oder cT4.
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Ein prätherapeutischer PSA-Wert von 20 ng/ml oder höher.
Bei Tumoren mit niedrigem Risikoprofil wird der Einsatz der PSMA-PET/CT nicht empfohlen, da das Risiko für Lymphknoten- oder Fernmetastasen in dieser Gruppe äußerst gering ist und die Untersuchung keinen diagnostischen Mehrwert bietet.
Abklärung beim biochemischen Rezidiv
Ein weiterer Einsatzbereich ist das sogenannte biochemische Rezidiv. Darunter versteht man einen erneut ansteigenden PSA-Wert nach einer in heilender Absicht durchgeführten Behandlung (wie der operativen Entfernung der Prostata oder einer Strahlentherapie). Die PSMA-PET/CT dient in dieser Situation dazu, den Ort des Rückfalls (Lokalrezidiv im Prostatabett versus Befall von Lymphknoten oder Knochen) frühzeitig zu lokalisieren, um gegebenenfalls eine gezielte lokale Salvage-Therapie zu ermöglichen.
Bildgebung im metastasierten Stadium
Für das metastasierte, hormonsensitive Prostatakarzinom (mHSPC) empfiehlt die S3-Leitlinie eine Bildgebung zu definierten Zeitpunkten:
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Vor Beginn einer systemischen Therapie zur Ermittlung der Krankheitsausdehnung.
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Wenn der PSA-Wert unter laufender Therapie seinen tiefsten Wert (Nadir) erreicht hat.
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Bei stabilem Krankheitsverlauf im Abstand von 6 bis 12 Monaten.
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Bei Verdacht auf ein Fortschreiten der Erkrankung auf Basis klinischer Symptome oder ansteigender PSA-Werte.
Einbettung in das übergeordnete Leitliniensystem
Die Diagnostik steht in engem Zusammenhang mit weiteren evidenzbasierten Onkologie-Leitlinien:
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S3-Leitlinie Psychoonkologie: Die Phase der bildgebenden Diagnostik löst bei vielen Patienten erhebliche Belastungen und Ängste aus ("Scanxiety"). Die Leitlinie empfiehlt daher ein routinemäßiges Belastungsscreening (Distress-Screening) sowie den zeitnahen Zugang zu psychoonkologischer Beratung, um die Belastung durch prognostische Ungewissheit zu mildern.
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S3-Leitlinie Supportive Therapie und S3-Leitlinie Palliativmedizin: Sie fordern, dass jede bildgebende Diagnostik einem klaren therapeutischen Zweck dienen muss und die Erhaltung der Lebensqualität stets im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen sollte.
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S3-Leitlinie Komplementärmedizin: Sie rät von ungeprüften Diäten oder unkontrollierter Einnahme hoher Dosen von Antioxidantien im zeitlichen Umfeld von Diagnostik und Therapie ab, da hierfür kein Nutzen belegt ist und unerwünschte Wechselwirkungen auftreten können.
Detektionsraten in Abhängigkeit vom PSA-Wert beim biochemischen Rezidiv
Die Treffsicherheit (Detektionsrate) der PSMA-PET/CT bei der Erkennung eines Krankheitsrückfalls hängt direkt von der Höhe des aktuellen PSA-Werts zum Zeitpunkt der Untersuchung ab.
Klinische Untersuchungen zeigen folgende durchschnittliche Erkennungsraten in Abhängigkeit vom Serum-PSA-Spiegel:
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PSA-Wert unter 0,5 ng/ml: Detektionsrate von etwa 28 % bis 39 %.
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PSA-Wert zwischen 0,5 und 1,0 ng/ml: Detektionsrate von etwa 39 % bis 79 %.
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PSA-Wert zwischen 1,0 und 2,0 ng/ml: Detektionsrate von etwa 64 % bis 95 %.
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PSA-Wert über 2,0 ng/ml: Detektionsrate von über 85 % bis 97 %.

Diese Daten verdeutlichen, dass bei sehr niedrigen PSA-Werten (unter 0,5 ng/ml) in der Mehrzahl der Fälle kein eindeutiger Tumorherd nachgewiesen werden kann. Eine Untersuchung bei extrem niedrigen Werten sollte daher sorgfältig gegen die Möglichkeit eines unauffälligen Befundes abgewogen werden.
Vergleich der gängigen Radiotracer: Eigenschaften und Besonderheiten
In der klinischen Anwendung stehen verschiedene PSMA-bindende Tracer zur Verfügung, die sich hinsichtlich ihrer verwendeten Radioisotope (Gallium-68 versus Fluor-18) sowie ihrer Ausscheidungswege im menschlichen Körper unterscheiden.
Gallium-68-basierte Tracer (z. B. 68Ga-PSMA-11 / Locametz, Illuccix)
Der Tracer Gallium-68-PSMA-11 gehört zu den am längsten untersuchten Präparaten. Gallium-68 besitzt eine physikalische Halbwertszeit von etwa 68 Minuten und wird über Radionuklidgeneratoren vor Ort hergestellt. Die Ausscheidung von 68Ga-PSMA-11 erfolgt überwiegend über die Nieren in die Harnblase. Aufgrund der Anreicherung von Radioaktivität in der Blase kann die Beurteilung von Gewebestrukturen in direkter Nachbarschaft (wie dem Prostatabett) durch Überlagerungseffekte erschwert sein.
Fluor-18-basierte Tracer mit renaler Ausscheidung (z. B. 18F-DCFPyL / Pylarify, Pylclari)
Fluor-18-markierte Substanzen wie 18F-DCFPyL nutzen das Radioisotop Fluor-18, das eine längere Halbwertszeit von etwa 110 Minuten aufweist. Dies erlaubt die Herstellung in zentralen Zyklotronen und den Transport an entfernte Untersuchungszentren. Fluor-18 bietet zudem aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften eine geringfügig höhere Bildauflösung. Wie 68Ga-PSMA-11 wird auch 18F-DCFPyL vorwiegend renal ausgeschieden.
Fluor-18-basierte Tracer mit hepatobiliärer Ausscheidung (18F-PSMA-1007 / Radelumin)
Eine Besonderheit stellt der Wirkstoff 18F-PSMA-1007 dar. Dieser Tracer wird primär über die Leber und die Galle (hepatobiliär) eliminiert und zeigt nur eine sehr geringe Ausscheidung über den Urin.
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Diagnostischer Vorteil: Die Harnblase enthält kaum störende Radioaktivität. Dadurch lassen sich kleine Lokalrezidive direkt an der Blasenbasis oder im Bereich der chirurgischen Nahtstelle präziser abgrenzen.
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Klinische Einschränkung und Risiko: Studien und Metaanalysen zeigen, dass 18F-PSMA-1007 eine erhöhte Neigung zu unspezifischen Anreicherungen im Knochengewebe aufweist (sogenannte "equivocal bone lesions"). Solche Befunde finden sich bei etwa 20 % bis 36 % der untersuchten Patienten, stellen jedoch in der Mehrzahl der Fälle (Malignitätsrate nur ca. 8 % bis 14 %) keine echten Tumorabsiedlungen dar, sondern gutartige Veränderungen (wie verheilte Brüche oder Entzündungen). Dies erfordert eine erfahrene Befundung und gegebenenfalls ergänzende Untersuchungen (z. B. mittels MRT), um fehlerhafte Diagnosen und unberechtigte Therapieänderungen zu vermeiden.
Klinische Evidenz und kritische Analyse der Studiendaten
Die wissenschaftliche Evidenz zur PSMA-PET/CT beruht auf mehreren prospektiven Studien.
Die proPSMA-Studie
Die prospektive, randomisierte Phase-III-Multizenterstudie proPSMA (Hofman et al., veröffentlicht im Fachjournal The Lancet, NCT03368547) verglich die PSMA-PET/CT direkt mit der konventionellen Standardbildgebung (Kombination aus Computertomographie und Knochenszintigraphie) bei 302 Patienten mit High-Risk-Prostatakarzinom vor geplanter Operation oder Bestrahlung.
Die wesentlichen Studienergebnisse zeigen:
Höhere diagnostische Genauigkeit: Die PSMA-PET/CT erreichte eine Treffsicherheit von 92 % für den Nachweis von Lymphknoten- oder Fernmetastasen, verglichen mit 65 % bei der konventionellen Bildgebung.
Höhere Sensitivität und Spezifität: Die Genauigkeit bei der Erkennung des Befalls von Beckenlymphknoten und Knochen war signifikant überlegen.
Therapierelevanz: Bei 22 % bis 24 % der Patienten führte das Ergebnis der PSMA-PET/CT zu einer Änderung des ursprünglich geplanten Behandlungskonzepts, da bisher unentdeckte Metastasen sichtbar wurden (sogenanntes Upstaging).

Kritische Einschränkungen der Evidenzlage
Trotz der nachgewiesenen diagnostischen Präzision warnen Fachgesellschaften (wie die European Association of Urology, EAU) vor voreiligen Schlüssen hinsichtlich des therapeutischen Nutzens:
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Fehlender Nachweis beim Gesamtüberleben (OS): Ob die stadiengerechte Therapieanpassung auf Basis einer PSMA-PET/CT tatsächlich zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens (Overall Survival, OS) führt, ist wissenschaftlich derzeit unbewiesen. Entsprechende Daten aus langjährigen Phase-III-Studien sind noch "unreif" (not mature). Unreife Daten bedeuten, dass der Nachbeobachtungszeitraum der Patienten noch nicht ausreicht, um statistisch gesicherte Aussagen über das Überleben zu treffen.
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Gefahr von Unter- oder Übertherapie: Das Nachweisen kleinster Mikrometastasen (miN1 oder miM1), die unter der Nachweisgrenze der klassischen Bildgebung liegen, kann dazu führen, dass Patienten von einer potenziell heilenden lokalen Therapie (z. B. Operation) ausgeschlossen werden, obwohl unklar ist, ob diese Mikrometastasen den weiteren Krankheitsverlauf kurzfristig bestimmt hätten.
Wichtig für den Patienten:
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Präzise Molekularbildgebung: Die PSMA-PET/CT macht Prostatakrebszellen durch das gezielte Andocken an das PSMA-Eiweiß sichtbar und übertrifft herkömmliche Röntgen- und Knochenuntersuchungen an Genauigkeit.
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Gezielter Einsatz nach Leitlinie: Das Verfahren wird von der S3-Leitlinie primär bei Neuerkrankungen mit hohem Risikoprofil sowie beim erneuten PSA-Anstieg nach einer Behandlung empfohlen. Bei niedrigem Risiko bringt die Untersuchung keinen diagnostischen Nutzen.
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Abhängigkeit vom PSA-Wert: Bei sehr niedrigen PSA-Spiegeln (unter 0,5 ng/ml) liegt die Chance, einen Tumorherd zu finden, unter 40 %. Eine Untersuchung sollte daher zeitlich abgestimmt werden.
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Achtung bei Fehlsignalen im Knochen: Tracer mit vorwiegend hepatobiliärer Ausscheidung (wie 18F-PSMA-1007) zeigen zwar das Prostatabett gut an, erzeugen aber häufiger harmlos verlaufende Signale in den Knochen, die nicht mit Metastasen verwechselt werden dürfen.
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Kein garantierter Überlebensvorteil: Eine genauere Diagnostik führt nicht automatisch zu einer besseren Heilung. Ob veränderte Behandlungspläne das Gesamtüberleben tatsächlich verlängern, ist derzeit wissenschaftlich noch unbewiesen.
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Psychoonkologische Hilfen nutzen: Die S3-Leitlinie Psychoonkologie empfiehlt bei Ängsten vor Untersuchungen oder Befunden die Inanspruchnahme professioneller psychoonkologischer Unterstützung.
Aktueller Stand und Ausblick
Die PSMA-PET/CT stellt einen fest etablierten Standard in der fortgeschrittenen Diagnostik des Prostatakarzinoms dar. Über die reine Bildgebung hinaus bildet das Verfahren die Grundlage für die Theranostik – die Verknüpfung von Diagnostik und gezielter Nukleidtherapie.
Hierbei prüft das PET/CT vorab, ob die Krebszellen ausreichend PSMA tragen, um anschließend einen therapeutischen Strahler (wie Lutetium-177-PSMA-617) gezielt an die Tumormanifestationen heranzuführen. Derzeit untersuchen laufende klinische Studien (wie die MIRROR-Studie, NCT06074510), inwieweit das Verfahren auch bei intermediären Risikoprofilen einen gesicherten klinischen Mehrwert bietet. Der endgültige Nachweis, dass PSMA-PET-gestützte Therapieentscheidungen das Gesamtüberleben langfristig verbessern, bleibt das zentrale Thema laufender Beobachtungsstudien.
„Das kleine Lexikon“ – Medizinische Begriffe einfach erklärt
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Biochemisches Rezidiv (BCR): Ein erneuter Anstieg des PSA-Spiegels im Blut nach einer primär in heilender Absicht durchgeführten Therapie (wie Operation oder Bestrahlung).
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Computertomographie (CT): Ein bildgebendes Röntgenverfahren, das detaillierte Schnittbilder der inneren Organe und Knochen erzeugt.
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Equivocal Lesion: Eine unklare Gewebeveränderung im PET-Bild, die weder eindeutig als gutartig noch als Krebsabsiedlung eingestuft werden kann.
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Gleason-Score / ISUP-Gradgruppe: Ein feingewebliches System zur Beurteilung der Aggressivität von Prostatakrebszellen unter dem Mikroskop.
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mCRPC: Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom; ein fortgeschrittenes Tumorstadium, das trotz Hormonentzugstherapie weiter wächst.
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mHSPC: Metastasiertes hormonsensitives Prostatakarzinom; ein Stadium mit Tochtergeschwülsten, das noch auf einen Entzug von Männlichkeitshormonen anspricht.
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Overall Survival (OS / Gesamtüberleben): Die Gesamtdauer ab Diagnose oder Studienbeginn, die Patienten überleben; gilt als wichtigster Härtetest für den Nutzen einer Therapie.
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PARP-Inhibitoren: Eine Klasse von gezielten Medikamenten, die ein bestimmtes Enzym zur DNA-Reparatur in Krebszellen blockieren.
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Placebo: Ein wirkstofffreies Scheinmedikament, das in wissenschaftlichen Kontrollstudien verwendet wird.
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Positronenemissions-Tomographie (PET): Ein nuklearmedizinisches Verfahren, das schwach radioaktive Botenstoffe nutzt, um Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar zu machen.
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Prostataspezifisches Membranantigen (PSMA): Ein Eiweißmolekül, das auf Prostatakrebszellen in stark erhöhter Menge vorkommt.
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Radiotracer: Eine schwach radioaktiv markierte Substanz, die im Körper gezielt an bestimmte Tumormarker bindet.
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rPFS (radiologisches progressionsfreies Überleben): Die Zeitspanne, in der eine Krebserkrankung in Bildgebungen nachweislich nicht weiter wächst.
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SUVmax: Ein rechnerischer Kennwert in der PET-Bildgebung für die maximale Aufnahmeintensität des Radiotracers in einer Region.
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Verblindet: Ein wissenschaftliches Studiendesign, bei dem Patienten oder Prüfkräfte nicht wissen, wer die echte Behandlung oder das Vergleichspräparat erhält.
Wissenschaftliche Quellen und Studiennachweise
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S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Version 8.1 – August 2025, AWMF-Registernummer: 043-022OL) Verwendung im Text: Grundlagen zur Indikationsstellung der PSMA-PET/CT bei High-Risk-Erstdiagnose, biochemischem Rezidiv und mHSPC sowie Einbindung in Behandlungspfade. Referenz/Quelle: Leitlinienprogramm Onkologie, AWMF-Registernummer 043-022OL.
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proPSMA-Studie (Lancet 2020; 395: 1208–1216) Verwendung im Text: Nachweis der diagnostischen Überlegenheit (92 % vs. 65 % Genauigkeit) und Erfassung von Therapieanpassungen bei High-Risk-Patienten. Referenz/Quelle: ClinicalTrials.gov NCT03368547 / PMID: 32209696.
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Studie zur Evaluierung von 18F-PSMA-1007 und uneindeutigen Knochenbefunden Verwendung im Text: Analyse der hepatobiliären Ausscheidung von 18F-PSMA-1007 sowie der Problematik unspezifischer Knochenanreicherungen (equivocal bone lesions). Referenz/Quelle: ClinicalTrials.gov NCT03368547 / Publikationsnachweise zu 18F-PSMA-1007.
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MIRROR-Studie (Phase-IV-Studie zu Pylarify bei Favorable Intermediate Risk) Verwendung im Text: Beleg für laufende Untersuchungen zur Ausweitung der Indikation bei intermediärem Risiko. Referenz/Quelle: ClinicalTrials.gov NCT06074510.
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S3-Leitlinien Psychoonkologie, Supportive Therapie, Komplementärmedizin und Palliativmedizin Verwendung im Text: Nachweis der Empfehlungen zu Distress-Screening, Lebensqualität, Komplementärmedizin und supportiver Begleitung im diagnostischen Prozess. Referenz/Quelle: Leitlinienprogramm Onkologie (AWMF-Registernummern 032-051OL, 032-054OL, 032-055OL, 128-001OL).
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Die Prognosekraft von PSMA-VOL beim Prostatakarzinom
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Meta-Treff.de | Wissen für Patienten - 17.05.2026

