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Krebs Definitionen

»Krebs Malignität«
Tumor nach Bösartigkeit

Tumoren werden nach ihrer Bösartigkeit bzw. Malignität (lateinisch malignitas ‚Bösartigkeit‘, ‚Missgunst‘) in Gutartige- (benigne ) und Bösartige- (maligne) Tumoren eingeteilt und unterschieden.


Gewebeveränderungen im Körper (Präkanzerosen)
die ein erhöhtes Risiko für eine bösartige Entartung besitzen

Gutartige Tumoren (Benigne Tumoren)
wachsen meist langsam und verdrängen dabei das umliegende Körpergewebe, dabei wachsen Präkanzerosen aber nicht in das umliegende Körpergewebe ein (nicht-invasives Wachstum).

Halb bösartige Tumoren  (Semimaligne Tumoren)    
wachsen wie die bösartigen Tumoren an ihrem Entstehungsort invasiv und destruierend (zerstörend), semimaligne Tumoren bilden aber im Körper keine Metastasen.  

Carcinoma in situ  (kurz CIS) 
ein auf das Ursprungsgewebe begrenztes Karzinom dessen Zellen aber bereits stark verändert (hochgradig atypisch) sind. Der Tumor wachst aber nicht invasiv und hat noch nicht die Fähigkeit zur Streuung von Metastasen bzw. 

Bösartige Tumoren (Maligne Tumoren)  
bilden beim Wachsen über Blut- und Lymphgefäßen oder durch Abtropfung Metastasen in anderen Körperregionen. Das Prostatakarzinom ist ein bösartiger (maligner) Tumor.


»Krebs Malignitäts­grad«
Malignität eines Tumors

Malignitätsgraduierung nach Böcking (primär für solide Tumoren und hat heute überwiegend historische Bedeutung)

Der  Malignitätsgrad (Grading) beschreibt, wie stark Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen verändert sind und wie aggressiv ein Tumor wächst.  Er hilft, die Prognose einzuschätzen und die Therapie zu planen. Die  Malignität eines Tumors kann aufgrund seiner histo-pathologischen  Differenzierungen in 4 unterschiedliche Malignitätsgrade unterteilt werden.
Hinweis: Die Böcking-Graduierung wird heute oft durch modernere Klassifikationen (z. B. Gleason-Score, WHO-Grading) ergänzt,  bleibt aber in der historischen und fachlichen Diskussion relevant. 


G1   Niedriger Malignitätsgrad des Tumors (niedriggradig/hoch differenziert)
       Niedriges Progressionsrisiko
Die Tumorzellen weisen eine gute Differenzierung auf und sie besitzen histologisch noch das Aussehen des Ursprungsgewebes.
Zellen ähneln normalen Zellen. Langsames Wachstum, geringere Aggressivität.

G2   Mittlerer Malignitätsgrad des Tumors (mittlerer Grad/mäßig differenziert
       Mittleres Risiko für Invasion
Die Tumorzellen sind histologisch mäßig differenziert.
Zellen zeigen deutliche Abweichungen von normalem Gewebe. Mäßiges Wachstum und Aggressivität.

G3   Hoher Malignitätsgrad des Tumors (hochgradig/gering differenziert
Hohes malignes Potenzial
Die Tumorzellen sind nur wenig differenziert und das histologische Aussehen unterscheidet sich stark vom Ursprungsgewebe.
Zellen sind stark abnormal und unterscheiden sich stark von gesundem Gewebe. Schnelles Wachstum, hohe Aggressivität.

G4   Sehr hoher Malignitätsgrad des Tumors (undifferenziert/anaplastisch)
Hochaggressiv, assoziiert mit Invasion
Die Tumorzellen sind histologisch entdifferenziert und haben mit dem Ursprungsgewebe keine Ähnlichkeit mehr.
Zellen sind extrem abnormal, kaum noch erkennbare Herkunft. Sehr aggressiv und schnell wachsend.


GX   Der Malignitätsgrad des Tumors ist nicht ermittelbar
Grad kann nicht bestimmt werden (z. B. bei unzureichender Gewebeprobe)


»Krebs Manifestationsstadien«
Sichtbarwerden des Tumors


Die Tumor-Manifestationsstadien nach Mostofi unterscheiden zwischen dem manifesten Karzinom, das Symptome verursacht oder klinisch diagnostizierbar ist, und dem präklinischen Karzinom, das noch nicht klinisch nachweisbar ist. Das manifeste Karzinom wird weiter unterteilt in behandlungsbedürftig und nicht behandlungsbedürftig.


Manifestes Karzinom       der Primärtumor verursacht Symptome oder ist klinisch diagnostizierbar.


Okkultes Karzinom           die Metastasen werden symptomatisch oder klinisch diagnostizierbar, nicht aber der Primärtumor.


Inzidentielles Karzinom   Zufallsbefund bei der Untersuchung oder Operation unter anderer Fragestellung.


Latentes Karzinom            zufälliger Obduktionsbefund bei einem aus anderer Ursache Verstorbenen.


»Tumor Wachstumskennzeichen«


Ein bösartiger (maligner) Tumor unterscheiden sich von einem gutartigen (benignen) Tumor durch drei Wachstumskennzeichen

Metastasierend    der Krebs metastasiert bzw. bildet über Blut- und Lymphgefäßen oder durch Abtropfung  Metastasen in anderen Körperregionen.  
                                 - Der Tumor hat ein metastasierendes Wachstum -

Infiltrierend          der Krebs überschreiten beim Wachsen Gewebegrenzen und wächst auch in das benachbarte Körpergewebe oder naheliegende anderen Organen ein.
                                - Der Tumor hat ein invasives Wachstum -

Destruierend         der Krebs zerstört beim Wachsen das umliegende Körpergewebe.
                                - Der Tumor hat ein zerstörendes Wachstum -


»Krebs Staging«
TNM-Klassifikation - 9. Auflage

TNM-Klassifikation = einheitliches System zur Tumorlassifikation (Tumor,  Lymphknoten (Nodi) und Metastasen)


Die Klassifikation des Prostatakarzinoms, auch als Staging bezeichnet, erfolgt nach dem TNM-System, das auch für andere Tumorerkrankungen verwendet wird. 

Klinisches vs. pathologisches Staging

Die TNM-Klassifikation wird in zwei Ebenen dokumentiert:
cTNM – Klinisches Staging
  • Ergebnis von Bildgebung, Endoskopie, Biopsie und klinischer Untersuchung
  • Wird vor einer operativen Therapie erstellt
  • Basis für die Therapieplanung
  • Beispiel: cT2c N0 M0
pTNM – Pathologisches Staging
  • Ergebnis der histopathologischen Untersuchung des operativ entfernten Gewebes
  • Wird nach der Operation erstellt
  • Gilt als genauer, da das gesamte Gewebe untersucht werden kann
  • Beispiel: pT3b N0 M0
Wichtig: Das pathologische Staging kann das klinische Staging korrigieren oder präzisieren, da erst bei der vollständigen Aufarbeitung des Gewebes die tatsächliche Tumorausdehnung exakt bestimmt werden kann.



Die drei wichtigsten Kategorien des TNM-Systems entsprechen dabei den drei Buchstaben:
T = Tumor, Ausdehnung und Verhalten des Primärtumors.
N = Nodus (lateinisch Nodus lymphoideus = Lymphknoten) Fehlen bzw. Vorhandensein von regionären Lymphknotenmetastasen.
M = Metastasen, Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen.



Primärtumor »T-Status«

TX      Der Primärtumor kann nicht beurteilt werden.

T0      Es ist kein Anhalt für einen Primärtumor vorhanden.


Der Tumor hat sich nur in seinem Ursprungsgewebe ausgebreitet.
Tis     Carcinoma/Tumor in situ - Der Tumor hat sich nur in seinem Ursprungsgewebe ausgebreitet.


Kleiner, gut abgegrenzter Tumor
T1      Der Tumor ist klinisch nicht fassbar und ist weder tastbar, noch mit einem bildgebenden Verfahren sichtbar.
          Der Tumor wurde zufällig bei einem histologischen Befund.
          bzw. in Folge einer Biopsie auf Grund eines erhöhten PSA-Wertes gefunden.
T1a    Der Tumor hat sich in weniger als 5 % des Biopsie-Gewebes ausgebreitet.
T1b    Der Tumor hat sich in mehr als 5 % des Biopsie-Gewebes ausgebreitet.
T1c    Der Tumor wurde nach einem erhöhten PSA-Wert durch eine Nadelbiopsie diagnostiziert.


Lokal begrenztes Prostatakarzinom
T2      Der Tumor ist noch begrenzt auf die Prostatakapsel.
T2a    Der Tumor hat sich in weniger als 50 % eines Seitenlappens ausgebreitet.
T2b    Der Tumor hat sich in mehr als 50 % eines Seitenlappens ausgebreitet.
T2c    Der Tumor hat sich in beide Seitenlappen ausgebreitet.


Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom
T3      Der Tumor wächst schon über die Prostatakapsel hinaus.
T3a    Der Tumor wächst ein-oder beidseitig über die Prostatakapsel hinaus; die Samenblasen sind tumorfrei.
T3b    Der Tumor wächst ein-oder beidseitig über die Prostatakapsel hinaus und in die Samenblasen hinein.


Metastasiertes und/oder fortgeschrittenes Prostatakarzinom
T4      Der Tumor wächst in Nachbarstrukturen hinein oder ist nicht verschiebbar (fixiert).
          Der Tumor wächst bereits in umliegende Organe
          wie die Beckenwand, den Blasenhals, den Enddarm, das Rektum und/oder den Schließmuskeln.



Residualtumor »R-Status«

RX      Ob ein Residualtumor vorhanden ist, kann nicht beurteilt werden.

R0      Es ist kein Residualtumor vorhanden; der Schnittrand ist frei von Krebszellen.

R1      Mikroskopischer Residualtumor: im Schnittrand sind Krebszellen verblieben, die unter dem Mikroskop sichtbar sind.
R1 (is)     Residualtumor in situ (in situ: der Tumor hat sich nur in seinem Ursprungsgewebe ausgebreitet)
R1 (cy+)  Zytologisch nachgewiesener Residualtumor.

R2      Makroskopischer nachgewiesener Residualtumor
          Im Schnittrand sind Krebszellen verblieben, die mit den bloßen Augen sichtbar sind
R2a   Makroskopischer Residualtumor, mikroskopisch nicht bestätigt.
R2b   Makroskopischer Residualtumor, mikroskopisch bestätigt.
          (Hinweis: Die Unterteilung in R2a und R2b ist nicht Teil der offiziellen UICC-TNM-Klassifikation, wird aber in einigen Kliniken verwendet.")



Lymphknotenmetastasen »N-Status« 

NX     Regionale Lymphknoten können nicht beurteilt werden

N0     Keine Lymphknoten befallen

N1     Lymphknoten befallen




Fernmetastasen »M-Status« 

MX    Fernmetastasen können nicht beurteilt werden

M0    Keine Metastasen vorhanden

M1    Metastasen vorhanden
M1a  Metastasen in nicht benachbarten Lymphknoten
M1b  Knochenmetastasen
M1c  Metastasen in anderen Organen (z. B. Lunge, Leber, Gehirn) und/oder Strukturen


Die Kategorie M1 kann wie folgt spezifiziert werden:
PUL       Lunge    
OSS       Knochen    
HEP       Leber    
BRA       Gehirn    
LYM       Lymphknoten    
MAR      Knochenmark    
PLE        Pleura    
PER        Peritoneum    
SKI         Haut    
OTH       andere Organe      

Beispiele:  M1BRA = Hirnmetastasen      M1PUL = Lungenmetastasen    



Vorsätze der TNM Klassifikationen:

a   Autopsie-Befund
c   Klinischer Untersuchungsbefund
cu Ultraschall Untersuchungsbefund (Unterkategorie von c)
cy  Zytologischer Untersuchungsbefund (Unterkategorie von c)
p   Pathologischer Untersuchungsbefund

r   Rezidiv ; der Tumor tritt nach einem krankheitsfreien Intervall erneut auf
y   Neuer Zustand nach einer Therapie;
     der Tumor tritt erst nach oder während einer Therapie (meist Chemotherapie oder Radiochemotherapie) auf.
m  multiple
Is oder Cis  Carcinoma in situ / Tumor nur in seinem Ursprungsgewebe

Beispiele:
cT3b     pT4a



C  (Certainty factor bzw. Sicherheitsfaktor)

C1   klinischer Untersuchungsbefund, Standard-Röntgen-Aufnahme, Endoskopie
C2  spezielle apparative Untersuchungen (CT, Ultraschall, MRT, Endoskopie mit Biopsie)
C3  chirurgische Untersuchung mit Biopsie und/oder Zytologie
C4  vollständige pathologische Aufarbeitung
C5   Autopsie


»Krebs Grading« Gleason-Score (ISUP-Grad)

Graduierungsgruppe - Epstein-Grad

Zusätzlich zur TNM-Klassifikation wird der Tumor in einen Gleason-Score von 3 bis  10 und in 5 verschiedenen Graduierungsgruppen nach seiner Aggressivität  eingestuft.

Beim Gleason-Score wird dabei aus den beiden vorherrschenden Komponenten die Summe gebildet, die den den Gleason-​Score ergibt.
Der von Epstein vorgeschlagene Gleason-Score wurde 2014 von der ISUP  (International Society of Urological Pathology) eingeführt und wird  deshalb auch als ISUP-Grad bezeichnet und die Graduierungsgruppe deshalb auch als Epstein-Grad.


Graduierungsgruppe 1     Gleason-Score 3+3=6
                                              Gleason-ScoreAgressivität: kaum

Graduierungsgruppe 2     Gleason-Score 3+4=7a
                                              Gleason-ScoreAgressivität: gering

Graduierungsgruppe 3 
    Gleason-Score 4+3=7b
                                              Gleason-ScoreAgressivität: mäßig

Graduierungsgruppe 4     Gleason-Score 4+4=8
                                              Gleason-Score 3+5=8
                                              Gleason-Score 5+3=8
                                              Gleason-ScoreAgressivität: stark

Graduierungsgruppe 5   
  Gleason-Score 9-10
                                              Gleason-ScoreAgressivität: sehr stark


»Prostatakrebs Risikogruppen«

siehe:  Definition von Tumorlast und Hochrisikokonstellation im Rahmen klinischer Studien (Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 622-3; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0294)


Low-risk nach D'Amico
(ISUP-Gradgruppe 1 (Gleason 2 - 6) und cT1–cT2a, PSA unter 10)

High-risk nach D'Amico  
(lokalisiert: Gleason 8–10, PSA >20, T3a)



High-risk - Hohes Risiko nach LATITUDE  
(Gleason 8 - 10, PSA über 20, T3a oder größer)


Low-volume High-risk - Niedrige Turmorlast nach CHAARTED 
(< 4 Knochenmetastasen ohne viszerale Metastasen)

High-volume - Hohe Turmorlast nach CHAARTED 
(=> als 4 Knochenmetastasen und/oder viszerale Metastasen)




Turmorlast nach CHAARTED / Risiko nach LATITUDE:


Low-volume/Low-risk (LV/LR) = kleines Krebs-Volumen / niedriges Risiko    

Low-volume/High-risk (LV/HR) = kleines Krebs-Volumen / hohes Risiko     

High volume/Low-risk (HV/LR) = hohes Krebs -Volumen / niedriges Risiko   

High volume/High-risk (HV/HR) = hohes Krebs -Volumen / hohes Risiko 




Metastatische Belastung:

Low metastatic burden = niedrige metastatische Belastung    

High metastatic burden = hohe metastatische Belastung     


»Prostatakrebs Stadium«
Definitionen des Prostatakarzinoms


CA = Karzinom (englisch Carcinoma)      
PC = Prostatakarzinom bzw. Prostatakrebs (englisch: Prostata-Cancer)

HNPC = hormonnaives Prostatakarzinom - ein noch nicht hormonbehandeltes Prostatakarzinom; englisch: Hormone-Naive Prostate Cancer
HSPC = hormonsensitives Prostatakarzinom   
CRPC = kastrationsresistentes Prostatakarzinom

nmPC = nicht-metastasiertes Prostatakarzinom
nmHSPC = nicht-metastasiertes, hormonsensitives Prostatakarzinom
nmCRPC = nicht-metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom

mPC = metastasiertes Prostatakarzinom
omPC = oligo-metastasiertes Prostatakarzinom
pmPC = poly-metastasiertes Prostatakarzinom

mHSPC  = metastasiertes, hormonsensitives Prostatakarzinom  
omHSPC = oligo-metastasiertes, hormonsensitives Prostatakarzinom
pmHSPC = poly-metastasiertes, hormonsensitives Prostatakarzinom       

mCRPC = metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom   
omCRPC = oligo-metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom
pmCRPC = poly-metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom    

bmPC = Knochen-metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom
bmHSPC = Knochen-metastasiertes, hormonsensitives Prostatakarzinom
bmCRPC = Knochen-metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom

BM = Hirnmetastasen (Brain metastases)
PCBM = Hirn-metastasierendes Prostatakarzinom


DN = De-novo, metastasiertes Prostatakarzinom

De novo Metastasierung = Primäre Metastasierung
die Metastasen werden gleichzeitig mit dem primären Prostatatumor festgestellt bzw. die innerhalb von 92 Tagen nach der Erstdiagnose des Primärtumors auftreten. siehe: Definition synchrone Metastasen (bzw. De-novo Metastasen)

Metachrone Metastasierung = Sekundäre oder rezidivierte Metastasierung
Metastasen, die zum Zeitpunkt der Diagnose und/oder der operativen Entfernung des Primärtumors noch nicht diagnostiziert wurden.