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Radium-223-dichlorid
(Handelsname: Xofigo®)

Radium-223-dichlorid ist ein Radiopharmazeutikum  
zur Behandlung von Männern mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC),
die symptomatische Knochenmetastasen, aber keine Weichteilmetastasen haben.
Es verlängert das Überleben, lindert Knochenschmerzen und verzögert skelettbezogene Ereignisse.


Radium-223-dichlorid beim Prostatakarzinom
Ein umfassender Bericht zur gezielten Alphatherapie

Die Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms hat in den letzten Jahren durch die Einführung zielgerichteter Radionuklidtherapien eine signifikante Transformation erfahren. Im Zentrum dieser Entwicklung steht Radium-223-dichlorid, ein therapeutisches Radiopharmakon, das unter dem Handelsnamen Xofigo bekannt ist. Dieser Bericht analysiert die Substanz aus der Perspektive eines spezialisierten Medizinjournalisten, um Patienten und Fachkreisen ein tiefgreifendes Verständnis der Wirkweise, der klinischen Evidenz und des praktischen Managements zu vermitteln.


1. Art des Medikaments

Radium-223-dichlorid (auch Radium-223 oder Ra-223-Dichlorid) ist ein radioaktives Arzneimittel, das als Alpha-Strahler in der Krebstherapie eingesetzt wird. Der Handelsname ist Xofigo.


1.a. Medikament Beschreibung

Radium-223-dichlorid ist ein intelligenter Knochensucher. Es handelt sich nicht um einen klassischen Antikörper oder ein herkömmliches Chemotherapeutikum, sondern um ein radioaktives Isotop, das eine natürliche Affinität zum Skelettsystem besitzt. Das Medikament nutzt ein biochemisches Mimikry-Prinzip: Radium gehört chemisch zur Gruppe der Erdalkalimetalle und verhält sich im Stoffwechsel nahezu identisch wie Calcium.

Da Knochenmetastasen des Prostatakarzinoms den lokalen Knochenumbau massiv stimulieren – man spricht von osteoblastischen Metastasen –, baut der Körper an diesen Stellen verstärkt Calcium ein, um neue Knochensubstanz zu bilden. Das Radium-223-Ion besetzt diese Plätze im Knochenmineral Hydroxylapatit. Einmal dort verankert, wirkt es als lokaler Strahler. Es sendet Alphapartikel aus, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen bestehen. Diese Teilchen besitzen eine extrem hohe Energie, aber eine sehr geringe Reichweite von weniger als 100 Mikrometern. Dies entspricht etwa zwei bis zehn Zelldurchmessern. Diese präzise Lokalisierung ermöglicht es, die Erbsubstanz der Krebszellen direkt zu zerstören, während das umliegende gesunde Gewebe, insbesondere das Knochenmark, weitgehend geschont bleibt.


1.b. Darreichungsform

Das Medikament wird als Injektionslösung verabreicht. Die Anwendung erfolgt intravenös, was bedeutet, dass der Arzt die Lösung direkt in eine Vene spritzt. Der Prozess ist für den Patienten zeitlich überschaubar:


  • Die Injektion erfolgt langsam über einen Zeitraum von etwa einer Minute.

  • Der intravenöse Zugang wird vor und nach der Gabe mit einer isotonischen Kochsalzlösung gespült, um sicherzustellen, dass keine Wirkstoffreste im Schlauchsystem verbleiben.

  • Die Behandlung wird in der Regel in spezialisierten nuklearmedizinischen Praxen oder Kliniken durchgeführt.

  • Ein kompletter Therapiezyklus umfasst üblicherweise sechs Injektionen im Abstand von jeweils vier Wochen.


1.c. Medikamenten Gruppe

Radium-223-dichlorid gehört zur Gruppe der therapeutischen Radiopharmaka. Innerhalb dieser Kategorie wird es spezifisch als zielgerichteter Alphastrahler (Targeted Alpha Therapy) klassifiziert. Es unterscheidet sich von älteren Radiopharmaka wie Strontium-89 oder Samarium-153 dadurch, dass es nicht nur die Schmerzen lindert, sondern nachweislich das Überleben verlängert.


1.d. welche Medikamente sind mit dem Medikament vergleichbar?

Es gibt keine direkten chemischen Zwillinge zu Radium-223, aber es gibt Medikamente, die in ähnlichen Krankheitsstadien eingesetzt werden oder einen vergleichbaren therapeutischen Stellenwert haben.


  • Lutetium-177-PSMA-617 (Pluvicto): Dies ist ebenfalls ein Radiopharmakon, das jedoch über das PSMA (Prostataspezifisches Membranantigen) direkt an die Oberfläche der Tumorzelle bindet. Während Radium den Knochenstoffwechsel nutzt, nutzt Lutetium-PSMA ein spezifisches Eiweiß auf der Krebszelle selbst und kann daher auch Metastasen in Organen (z. B. Leber oder Lunge) bekämpfen.

  • Docetaxel (Taxotere): Dies ist die Standard-Chemotherapie beim metastasierten Prostatakarzinom. Radium-223 kann oft als Alternative oder nachfolgend zur Chemotherapie eingesetzt werden, wenn die Erkrankung primär den Knochen betrifft.

  • Enzalutamid (Xtandi) und Abirateron (Zytiga): Diese Medikamente zählen zu den ARPIs (Androgen Receptor Pathway Inhibitors) oder neuen Hormontherapien. Sie blockieren die Hormonsignale, die den Krebs zum Wachsen anregen. Radium-223 wird häufig sequenziell oder in Kombination mit diesen Substanzen betrachtet.

  • Cabazitaxel (Jevtana): Eine weitere Chemotherapie, die meist zum Einsatz kommt, wenn Docetaxel nicht mehr wirkt.



2. Wirkmechanismus des Medikaments

Der Wirkmechanismus von Radium-223-dichlorid basiert auf physikalischer und biologischer Präzision. Man kann das Medikament bildhaft als Trojanisches Pferd des Knochenstoffwechsels beschreiben.

Da Prostatakrebszellen, die in den Knochen eingewandert sind, das Skelett dazu zwingen, unnatürlich schnell neue Knochensubstanz aufzubauen, entsteht an den Metastasen ein extrem hoher Bedarf an Baustoffen. Radium-223 nutzt diese Gier aus. Es tarnt sich als Calcium und wird massenhaft in die instabile Knochenmatrix der Metastase eingebaut.

Sobald das Radium im Knochen fixiert ist, beginnt der Zerfallsprozess. Radium-223 hat eine physikalische Halbwertszeit von etwa 11,4 Tagen. Beim Zerfall sendet es energiereiche Alphapartikel aus. Diese Partikel wirken wie mikroskopische Kanonenkugeln:


  1. Hochenergie-Beschuss: Die Alphateilchen besitzen im Vergleich zu Betastrahlen (wie bei Lutetium) eine viel höhere Masse und Energie.

  2. DNA-Zerstörung: Wenn ein Alphapartikel auf eine Krebszelle trifft, verursacht es Doppelstrangbrüche im Erbgut. Während die Zelle einfache Brüche oft reparieren kann, führen Doppelstrangbrüche unweigerlich zum Zelltod (Apoptose).

  3. Geringe Kollateralschäden: Die Reichweite der Strahlung ist so kurz, dass sie nur wenige Zellschichten durchdringt. Dies schützt die tiefer liegenden Stammzellen im Knochenmark, die für die Blutbildung zuständig sind.


Dieser Mechanismus ist besonders effektiv bei osteoblastischen (knochenaufbauenden) Metastasen, wie sie für das Prostatakarzinom typisch sind.



Nebenwirkungen

Wie jede hochwirksame onkologische Therapie kann auch Radium-223 Nebenwirkungen verursachen. Da das Medikament über den Knochenstoffwechsel wirkt und über den Darm ausgeschieden wird, konzentrieren sich die unerwünschten Wirkungen primär auf diese Organsysteme.


3.a. Die häufigsten Nebenwirkungen

Die klinische Erfahrung und die Zulassungsstudien zeigen ein spezifisches Nebenwirkungsprofil:


  • Hämatologische Toxizität: Die Produktion von Blutzellen kann vorübergehend absinken. Dies äußert sich als:

    • Anämie (Blutarmut): Führt zu Müdigkeit und Schwäche.

    • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen): Erhöht die Neigung zu Blutergüssen oder Nasenbluten.

    • Neutropenie (Mangel an weißen Blutkörperchen): Erhöht das Infektionsrisiko.

  • Gastrointestinale Beschwerden: Da etwa 5 % der Strahlungsenergie im Darm abgegeben werden (Ausscheidungsweg), treten häufig Magen-Darm-Symptome auf :

    • Diarrhö (Durchfall): Dies ist eine der am häufigsten berichteten Wirkungen.

    • Nausea (Übelkeit) und Erbrechen: Meist gut mit Medikamenten kontrollierbar.

  • Skelettale Effekte: Ein Anstieg des Risikos für Knochenfrakturen wurde beobachtet, insbesondere wenn Radium ohne ausreichenden Knochenschutz oder in Kombination mit bestimmten Hormontherapien eingesetzt wird.

  • Allgemeinsymptome: Fatigue (chronische Erschöpfung) und periphere Ödeme (Wassereinlagerungen in den Beinen).



3.b. Management dieser Nebenwirkungen

Das Management der Nebenwirkungen ist ein integraler Bestandteil der Therapie und erfolgt nach festen Protokollen:


  • Blutbild-Monitoring: Vor jeder Injektion ist eine Blutuntersuchung zwingend erforderlich. Die Therapie darf nur gestartet oder fortgesetzt werden, wenn bestimmte Grenzwerte eingehalten werden:

    • Hämoglobin (Hb): ≥ 10,0 g/dl.

    • Neutrophile (ANC): ≥ 1,5 x 10⁹/l (vor der ersten Dosis) bzw. ≥ 1,0 x 10⁹/l (vor Folgedosen).

    • Thrombozyten: ≥ 100 x 10⁹/l (vor der ersten Dosis) bzw. ≥ 50 x 10⁹/l (vor Folgedosen).

  • Knochenschutz: Die Anwendung von knochenstabilisierenden Wirkstoffen wie Bisphosphonaten (z. B. Zoledronsäure) oder Denosumab (Xgeva) wird dringend empfohlen, um das Frakturrisiko zu minimieren.

  • Flüssigkeitsmanagement: Patienten sollten während der Therapie viel trinken, um die Ausscheidung zu fördern und die Strahlenbelastung des Darms und der Blase zu reduzieren.

  • Supportive Medikation: Gegen Durchfall und Übelkeit werden proaktiv Medikamente wie Loperamid oder Antiemetika eingesetzt.

  • Zahnärztliche Kontrolle: Vor Beginn einer Therapie mit Knochenschutzmitteln sollte eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen, um das Risiko einer Kiefernekrose zu verringern.



Der aktuelle Studienstand

Die klinische Relevanz von Radium-223-dichlorid wurde in mehreren großen Studienphasen belegt. Die Daten zeigen einen klaren Vorteil für das Überleben und die Lebensqualität.


Die ALSYMPCA-Studie (Phase III)

Die ALSYMPCA-Studie bildete das Fundament für die weltweite Zulassung. In dieser doppelblinden, randomisierten Studie erhielten 921 Patienten entweder Radium-223 oder ein Placebo.

Klinische Ergebnisse der ALSYMPCA-Studie:

    • Medianes Gesamtüberleben (OS):
      Unter Radium-223 betrug das Überleben 14,9 Monate, während es in der Placebo-Gruppe bei 11,3 Monaten lag .
    • Zeit bis zum ersten Skelett-Ereignis (SSE):
      Patienten, die Radium-223 erhielten, erreichten diesen Punkt nach 15,6 Monaten. In der Placebo-Gruppe trat dies bereits nach 9,8 Monaten ein.
    • PSA-Anstieg (Zeit bis zur Progression):
      Hier lag der Wert bei 3,6 Monaten für Radium-223 gegenüber 3,4 Monaten unter Placebo.
    • Anstieg der Alkalischen Phosphatase (ALP):
      Die Zeit bis zum Anstieg betrug unter Radium-223 7,4 Monate, verglichen mit 3,8 Monaten in der Placebo-Gruppe.

Die Studie zeigte, dass Radium-223 das Sterberisiko um 30 % senkt. Besonders hervorzuheben ist, dass der Überlebensvorteil unabhängig davon bestand, ob der Patient zuvor eine Chemotherapie mit Docetaxel erhalten hatte oder nicht.


Die PEACE-3-Studie (Phase III – Aktuelle Daten 2024/2026)

Ein Meilenstein der letzten 36 Monate ist die PEACE-3-Studie, deren finale Ergebnisse auf den Kongressen ESMO 2024 und ASCO 2026 präsentiert wurden. Diese Studie untersuchte die Kombination von Radium-223 mit dem Hormonmedikament Enzalutamid (Xtandi).


Ergebnisse der PEACE-3-Studie (Kombination vs. Monotherapie):

    • Medianes Gesamtüberleben (OS): Die Kombinationstherapie erreichte 38,2 Monate, während die Monotherapie bei 32,6 Monaten lag. Dies entspricht einer Verbesserung von + 5,6 Monaten.
    • Radiographisches progressionsfreies Überleben (rPFS): Unter der Kombination wurde eine Zeit von 19,4 Monaten gemessen, verglichen mit 16,4 Monaten unter der alleinigen Gabe von Enzalutamid (Verbesserung um + 3,0 Monate).
    • Hazard Ratio (HR) für den Tod: Der Wert liegt bei 0,76 für die Kombination gegenüber 1,00 für die Monotherapie. Das bedeutet eine Risikoreduktion von 24 %.

Die PEACE-3-Studie belegt, dass der frühzeitige Einsatz der Kombination in der Erstlinie des mCRPC einen signifikanten Überlebensvorteil bietet. Eine entscheidende Sicherheitsvorgabe dieser Studie war die verpflichtende Gabe von knochenschützenden Wirkstoffen (BPA), nachdem in einer früheren Studie (ERA-223) ein erhöhtes Frakturrisiko unter der Kombination mit Abirateron aufgefallen war.


Weitere wichtige Erkenntnisse (RAPSON und Subgruppen)


  • RAPSON-Studie: Erste Daten deuten darauf hin, dass die Sequenz Radium-223 gefolgt von Docetaxel eine bessere Lebensqualität bietet als die umgekehrte Reihenfolge, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen.

  • Genetische Faktoren: Retrospektive Analysen (z. B. vom Princess Margaret Cancer Centre) zeigen, dass Patienten mit Fehlern in der DNA-Reparatur (HRR-Defizit, wie BRCA2-Mutationen) möglicherweise noch stärker auf Radium-223 ansprechen, da diese Zellen die durch Alphastrahlung verursachten Doppelstrangbrüche noch schlechter reparieren können. Das mediane Überleben in dieser Gruppe lag bei 24 Monaten gegenüber 12 Monaten bei Patienten ohne diese Mutationen.



Die Indikation beim Prostatakarzinom in der EU

Die Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) definiert den rechtlichen Rahmen für den Einsatz von Radium-223 in Deutschland und Europa.


  • Zugelassenes Stadium: Radium-223 wird zur Behandlung von Erwachsenen mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) eingesetzt.

  • Befundkonstellation:

    • Vorhandensein von symptomatischen Knochenmetastasen.

    • Keine bekannten viszeralen Metastasen (Metastasen in Leber, Lunge oder Gehirn).

    • Progression (Fortschreiten) der Erkrankung nach mindestens zwei vorangegangenen systemischen Therapien oder wenn andere Behandlungen nicht geeignet sind.

  • Einschränkungen:

    • Radium-223 ist nicht für das hormonsensitive Stadium (mHSPC) zugelassen.

    • Die Kombination mit Abirateron (Zytiga) und Prednison/Prednisolon ist strikt kontraindiziert (verboten), da dies das Sterberisiko und das Frakturrisiko erhöht.

  • Früherer Einsatz: Die neuesten Daten aus der PEACE-3-Studie könnten in naher Zukunft zu einer Anpassung der Leitlinien und Zulassungen führen, um den Einsatz der Kombination mit Enzalutamid bereits in der Erstlinie des mCRPC zu ermöglichen.



Der konkrete Vorteil für den Patienten

Radium-223-dichlorid bietet Patienten in einer fortgeschrittenen Krankheitsphase mehrere entscheidende Vorteile, die über die reine Lebensverlängerung hinausgehen.


  1. Dualer Effekt (Überleben und Schmerz): Es ist eines der wenigen Medikamente, das gleichzeitig die Lebenserwartung verlängert und die tumorbedingten Knochenschmerzen signifikant reduziert.

  2. Lebensqualität: In Studien gaben deutlich mehr Patienten unter Radium-223 eine Verbesserung ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität an als unter Placebo (25 % vs. 16 %).

  3. Vermeidung von Komplikationen: Durch die Stabilisierung des Knochens werden "skelettbezogene Ereignisse" (SSE) wie pathologische Brüche, Rückenmarkskompressionen oder die Notwendigkeit operativer Eingriffe am Knochen hinausgezögert.

  4. Geringe Alltagsbelastung: Die Behandlung findet nur alle vier Wochen statt und dauert inklusive Vorbereitung oft weniger als eine Stunde. Im Gegensatz zur Chemotherapie fallen meist keine Haare aus, und die Patienten sind in ihrem Alltag weniger eingeschränkt.

  5. Therapeutische Brücke: Radium-223 kann die Zeit bis zum Beginn einer invasiven Chemotherapie verlängern.

  6. Sicherheit im Alter: Auch ältere Patienten über 75 Jahre vertragen die Therapie in der Regel gut, sofern die Blutwerte stabil sind und ein Knochenschutz erfolgt.



Fazit für Patienten & ein Ausblick auf die Zukunft

Radium-223-dichlorid (Xofigo) markiert einen Wendepunkt in der Behandlung des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms. Für Patienten, deren Krebs bereits die Phase der Kastrationsresistenz erreicht hat und Schmerzen im Skelett verursacht, ist es eine hochwirksame und vergleichsweise verträgliche Option.


Zusammenfassende Einschätzung:

Die Therapie ist keine Heilung, aber sie verwandelt den Krebs oft über Monate in eine kontrollierte, chronische Erkrankung. Die Fähigkeit der Alphapartikel, Krebszellen mit chirurgischer Präzision auf atomarer Ebene auszuschalten, ohne das Knochenmark zu zerstören, ist ein biologisches Meisterstück.


Was Patienten wissen sollten:

  • Die Behandlung ist Teamarbeit: Nuklearmediziner und Urologen müssen eng zusammenarbeiten.

  • Knochenschutz ist Pflicht: Denosumab oder Bisphosphonate sind die notwendigen Begleiter der Therapie.

  • Geduld bei den Werten: Der PSA-Wert sinkt unter Radium-223 oft langsamer als unter anderen Therapien. Wichtiger ist der Abfall der Alkalischen Phosphatase (ALP), die den Knochenumbau widerspiegelt.



Ein Blick in die Zukunft:

Die Zukunft der Therapie liegt in der Kombination und Personalisierung. Die Ergebnisse der PEACE-3-Studie werden den Einsatz von Radium-223 vermutlich weiter nach vorne in der Therapiekette rücken. Zudem wird die Forschung klären, welche genetischen Profile (wie BRCA2) besonders von dieser "schweren Artillerie" profitieren. Es ist zu erwarten, dass Radium-223 ein integraler Bestandteil der modernen Präzisionsonkologie bleibt, der Patienten hilft, länger und vor allem besser mit ihrer Erkrankung zu leben.



„Das kleine Lexikon“ - Medizinische Begriffe einfach erklärt

  • ADT (Androgendeprivationstherapie): Ein Entzug von männlichen Hormonen (Testosteron), um das Wachstum der Krebszellen zu stoppen.

  • Alkalische Phosphatase (ALP): Ein Enzym im Blut, dessen erhöhter Wert auf einen gesteigerten Knochenumbau durch Metastasen hindeutet.

  • Alphastrahler: Ein radioaktives Teilchen, das sehr viel Energie abgibt, aber nur eine winzige Strecke im Körper zurücklegt.

  • Anämie: Ein Mangel an roten Blutkörperchen, der zu Schwäche, Blässe und schneller Ermüdung führt.

  • ANC (Absolute Neutrophil Count): Die Anzahl der wichtigsten weißen Blutkörperchen, die für die Abwehr von Bakterien zuständig sind.

  • Apoptose: Der programmierte Zelltod, ein natürlicher Prozess, den Krebsmedikamente in Tumorzellen auslösen wollen.

  • ARPI (Androgen Receptor Pathway Inhibitor): Moderne Medikamente, die die Wirkung von Hormonen am Tumor noch stärker blockieren als die klassische ADT.

  • Bisphosphonate: Medikamente, die den Knochenabbau bremsen und zur Stabilisierung bei Metastasen eingesetzt werden.

  • Doppelstrangbruch: Eine schwere Beschädigung der DNA, bei der beide Stränge der Erbgut-Leiter durchtrennt werden.

  • EMA (European Medicines Agency): Die europäische Behörde, die prüft, ob Medikamente sicher und wirksam genug für eine Zulassung sind.

  • Fatigue: Eine extrem ausgeprägte, krankhafte Erschöpfung, die oft im Rahmen von Krebserkrankungen oder deren Therapie auftritt.

  • Hämoglobin (Hb): Der rote Blutfarbstoff, der für den Transport von Sauerstoff im Körper verantwortlich ist.

  • HRR (Homologe Rekombinationsreparatur): Ein Reparaturmechanismus der Zelle, der defekt sein kann und Zellen empfindlicher für Strahlung macht.

  • Kastrationsresistent (mCRPC): Ein Stadium, in dem der Krebs trotz eines sehr niedrigen Testosteronspiegels weiter wächst.

  • Knochenmark: Das Gewebe im Inneren der Knochen, in dem alle neuen Blutzellen gebildet werden.

  • mHSPC: Ein metastasiertes Prostatakarzinom, das noch gut auf den Entzug von Hormonen anspricht.

  • Neutropenie: Ein gefährlicher Mangel an weißen Blutkörperchen, der das Risiko für schwere Infektionen erhöht.

  • Osteoblastisch: Eine Form von Knochenmetastasen, die durch eine krankhafte Neubildung von Knochengewebe gekennzeichnet ist.

  • PSMA (Prostataspezifisches Membranantigen): Ein Eiweiß auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen, das als Ziel für Diagnostik und Therapie dient.

  • Radiopharmakon: Ein Medikament, das aus einer chemischen Substanz und einem radioaktiven Anteil besteht.

  • rPFS (Radiographisch progressionsfreies Überleben): Die Zeit, in der eine Krebserkrankung in Röntgen-, CT- oder MRT-Bildern nicht sichtbar wächst.

  • SSE (Symptomatic Skeletal Event): Ein belastendes Ereignis am Knochen, wie ein Bruch oder eine notwendige Bestrahlung wegen starker Schmerzen.

  • Thrombozyten: Die Blutplättchen, die für die Gerinnung des Blutes und den Verschluss von Wunden wichtig sind.

  • Viszerale Metastasen: Absiedlungen von Krebszellen in inneren Organen wie der Leber, der Lunge oder dem Gehirn.


  • Xofigo Fachinformation: https://www.fachinfo.de/fi/detail/014972/xofigo-r-1100-kbq-ml-injektionsloesung



Stand: 5/2026

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  • Visualisierungen: Grafiken und Tabellen sind als abstrakte, stilisierte Illustrationen zu verstehen. Sie dienen der Veranschaulichung und sind nicht als präzise medizinische Befunddarstellung geeignet.


Solltest du gesundheitliche Beschwerden haben oder medizinische Entscheidungen treffen wollen, konsultiere bitte umgehend einen Arzt.

17.05.2026

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(Kombination aus Enzalutamid und Radium-223 bei Patienten mit knochendominantem mCRPC)