Mein Name ist Rudolf, ich lebe in Truchtlaching zwischen Traunstein und Rosenheim, im oberbayerischen Chiemgau nahe der Alz. Ich bin kein Arzt und kein Mediziner, sondern selbst langjähriger Prostatakrebs-Patient. Alles, was ich hier teile, beruht auf meinen eigenen Erfahrungen und gesammelten Informationen und ersetzt keine medizinische Beratung.
Diagnosen
De-novo, polymetastasiertes, hormonsensitives Prostatakarzinom
Erstdiagnose im Juli 2017, mit 55 Jahren – zu diesem Zeitpunkt bereits Knochenmetastasen in der gesamten Brustwirbelsäule, im Becken und in den Rippen. Seither durchgehende Palliativbehandlung: Operation des Primärtumors, mehrere Bestrahlungsserien, ununterbrochene Hormontherapie sowie begleitende Knochen- und Schmerztherapie.
Aktuelle Laborwerte liegen seit November 2017 bei PSA 0,00, auch CEA, CGA, NSE, LDH und AP sind unauffällig. Schmerzen in Becken, Wirbelsäule, Rippen und Oberschenkeln sind derzeit ohne Opiate unter Kontrolle; nur noch gelegentlich wird Novaminsulfon gegen Schmerzen und Etoricoxib gegen Entzündungen benötigt. Nach über neun Jahren Hormontherapie besteht eine sehr ausgeprägte Hitzeintoleranz.
Fibrosierende Alveolitis unklarer Genese
Im Juni 2021 traten ein Lungenödem und zunehmende Atemnot auf. Die formale Erstdiagnose der Lungenfibrose erfolgte im Februar 2025, mit 63 Jahren. Seither wird die Lungenfunktion regelmäßig kontrolliert:
- 02/2025: Totale Lungenkapazität 63 % (4,82 l), maximale Vitalkapazität 63 % (3,11 l)
- 08/2025: Totale Lungenkapazität 71 % (5,55 l), keine wesentliche Einschränkung der Diffusionskapazität
- 04/2026: Totale Lungenkapazität 74 % (5,75 l), kein Nachweis einer Obstruktion, aber maximale Vitalkapazität nur noch 64 % (3,13 l)
Nach mündlicher Einschätzung des behandelnden Pneumologen (08/2025) besteht die Möglichkeit, dass sich die Lungenfunktion nicht weiter verschlechtert, falls die Ursache tatsächlich in den wiederholten Strahlentherapien und/oder der langjährigen Abirateron-Behandlung liegt. Aktuell treten keine Dyspnoe-Attacken mehr auf, die Ausdauer bleibt jedoch sehr begrenzt.
Berufsausbildung
- 1983–1985: Ausbildung als DV-Kaufmann (Datenverarbeitungskaufmann)
- 1984–1985: Industriepraktikum
- 1994–1995: Ausbildung als Netzwerkspezialist
- 2000–2001: Ausbildung für Ausbilder
Hobbys und Interessen
Webdesign, Computer und KI; Lesen, Weltgeschichte und Philosophie (Stoa); Schach und Brettspiele; Musik hören (Blues, italienische Musik, gemischte Playlists); Landschaftsfotografie und Bildbearbeitung; außerdem Prostatakarzinom als Thema und Psychologie; früher auch Kricket, Boule und Baden.
Alles bedauerlicherweise nur noch so weit wie gesundheitlich möglich.
Ausgangslage & Rente
Seit April 2017 erhalte ich rückwirkend eine volle, unbefristete Erwerbsminderungsrente – aufgrund weiterer dauerhafter Gesundheitsstörungen neben der Krebserkrankung: einer Retinopathie mit nur noch 5 % Restsehleistung am rechten Auge, Taubheit am linken Ohr mit Tinnitus, chronischer Pankreatitis, Psoriasis vulgaris sowie einer Funktionsbehinderung beider Kniegelenke.
Seit November 2017 besteht zudem eine 100 % unbefristete Schwerbehinderung mit den Merkzeichen G und B, zusammengesetzt aus mehreren Einzel-GdB-Werten – allein für das Prostatakarzinom mit Knochenbeteiligung mit 100 %.
Überblick nach Therapiebereichen
Operationen
6 Eingriffe unter Vollnarkose zwischen 2017 und 2024, darunter die radikale Prostatektomie mit Lymphadenektomie, eine Lymphozelen-Fensterung sowie eine Operation an der Wirbelsäule wegen Spinalkanalstenose.
Strahlentherapien
Mehrere Bestrahlungsserien mit über 100 Einzelsitzungen zwischen 2018 und 2024 – Knochenmetastasen in Becken, Brustwirbelsäule und Rippen, die Prostataloge und Samenblase sowie eine prophylaktische Bestrahlung gegen Gynäkomastie.
Hormontherapien
Durchgehende Hormontherapie seit 2017: kurzzeitig Bicalutamid, seit fast 9 Jahren Leuprorelin, dazu 40 Monate Abirateron und ein kurzer, wegen starker Nebenwirkungen abgebrochener Versuch mit Apalutamid.
Sauerstoff- & Schmerztherapie
6 Monate Langzeit-Sauerstofftherapie 2021, seit 2019 durchgehende Schmerztherapie mit wechselnden Opioiden und Begleitmedikation, seit 2024 überwiegend mit Bedarfsmedikation statt Dauertherapie.
Chronologischer Verlauf
Medikamente & Begleittherapien im Überblick
Hormontherapie
Bicalutamid (7–8/2017, ohne Nebenwirkungen) · Leuprorelin (seit 7/2017, Nebenwirkungen: Hitzewallungen, Temperaturempfindlichkeit, Müdigkeit, Hautveränderungen) · Abirateron (3/2018–7/2021, Nebenwirkungen: Lungenödem, progrediente Dyspnoe, exogen-allergische Alveolitis, starke Gewichtszunahme über 20 kg) · Apalutamid (9–11/2021, starke Gelenk- und Knochenschmerzen, schneller Gewichtsverlust).
Antiresorptive Therapie
Denosumab, 9 Gaben (11/2017–3/2019) und Zoledronsäure, 12 Gaben (5/2019–1/2022 sowie 6/2024), zur Verlangsamung des Knochenmetastasenwachstums und Reduktion von Skelettkomplikationen.
Schmerztherapie
Hydromorphon retard (9/2019–8/2023) und kurzzeitig Buprenorphin-Pflaster (9–10/2024) als Basistherapie, Palladon akut für Durchbruchschmerzen; begleitend Pregabalin, Metamizol, Etoricoxib, Naproxen sowie zur Beruhigung Amitriptylin, Opipramol und kurzzeitig Lorazepam.
Stationäre Versorgung
15 stationäre Aufenthalte insgesamt: 13 Krankenhausbehandlungen (2017–2024), eine stationäre Reha in Bad Feilnbach (11–12/2017) und eine Palliativstation in Bad Trissl (9/2019), ergänzt durch eine kurzzeitige ambulante SAPV-Betreuung.
Mögliche nächste Schritte bei Verschlechterung
Für den Fall einer Progression des Prostatakarzinoms kommen folgende Therapien in Betracht:
Docetaxel wird als Option gesehen, primär um leichter Zugang zu Folgetherapien zu erhalten – erscheint aber aufgrund der Lungenfibrose vermutlich nicht durchführbar. Eine Studienteilnahme (z. B. Xaluritamig) ist wegen der Lungenfibrose und des metastasenverdächtigen Schädelbefunds voraussichtlich ebenfalls nicht möglich.
Mögliche Ansätze bei Verschlechterung der Lungenfibrose
Sowohl eine Studienteilnahme als auch eine Lungentransplantation scheiden aus, da das metastasierte Prostatakarzinom in beiden Fällen ein Ausschlusskriterium darstellt. Folgende Wirkstoffe könnten die Fibrose theoretisch verlangsamen, aber nicht heilen:
Darüber hinaus werden mehrere Wirkstoffe derzeit in Studien geprüft, unter anderem Deupirfenidon (Phase-IIb-Studie ELEVATE-IPF mit vielversprechenden Zwischenergebnissen zum Erhalt der Lungenfunktion), der LPA1-Rezeptor-Antagonist Admilparant, inhalatives Treprostinil sowie frühe Ansätze zur Hemmung von Interleukin-11. In der Grundlagenforschung werden zudem regenerative Ansätze untersucht, etwa Senolytika (Dasatinib plus Quercetin) zum gezielten Abbau gealterter, vernarbungsfördernder Zellen, IL-11-Antikörper, eine inhalierbare mRNA-Therapie zur Reaktivierung der Telomerase sowie der NK-Zell-reaktivierende Antikörper Monalizumab und der orale Wirkstoff GRI-0621.